Pferd grast im weichen Morgenlicht auf einer grünen Frühlingsweide in der Eifel

Hufrehe

Hufrehe vorbeugen: Wie Du das Risiko für Dein Pferd senkst

Hufrehe vorbeugen heißt, die Auslöser zu kennen: Übergewicht, Insulin, Frühjahrsgras. Welche Maßnahmen wirklich schützen, erklärt Sabine Thur Schritt für Schritt.

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29. Juni 20264 Min. Lesezeitvon Sabine Thur

Hufrehe ist eine der schmerzhaftesten Erkrankungen, die ein Pferd treffen kann – und zugleich eine, bei der Vorbeugung erstaunlich viel bewirkt. Die häufigste Form entsteht nicht über Nacht und nicht aus dem Nichts, sondern über den Stoffwechsel, langsam und mit Ansage. Wer die Auslöser kennt und früh gegensteuert, kann das Risiko für sein Pferd deutlich senken. Genau darum geht es hier: nicht um Panik, sondern um die ruhigen, wirksamen Stellschrauben.

Wichtig: Dieser Ratgeber hilft Dir, Risiken zu erkennen und zu senken – er ersetzt keine tierärztliche Untersuchung. Bei Verdacht auf Hufrehe, bei einem rehegefährdeten Pferd oder bei Stoffwechselverdacht (EMS, Cushing) gehört die Abklärung in tierärztliche Hand. Hufrehe ist immer ein Notfall.

Verstehen, was Du vorbeugst

Vorbeugen gelingt nur, wenn man weiß, wogegen. In der Tiermedizin werden drei Hauptgruppen von Hufrehe unterschieden:

  • Stoffwechselbedingte (endokrine) Rehe – heute mit Abstand die häufigste Form. Auslöser ist eine gestörte Insulinregulation, fast immer im Zusammenhang mit EMS oder Cushing/PPID. Genau hier hast Du den größten Hebel zur Vorbeugung.
  • Entzündlich/toxische Rehe – etwa nach einer schweren Kolik, einer Geburtskomplikation mit zurückgebliebener Nachgeburt oder nach einer massiven Überfütterung mit Getreide (Kraftfutterunfall).
  • Belastungsrehe – wenn ein Bein über längere Zeit eine schwere Verletzung des anderen Beins kompensieren muss und überlastet wird.

Für den Alltag heißt das: Die mit Abstand wichtigste Vorbeugung zielt auf den Stoffwechsel – Gewicht, Insulin und Zucker im Futter. Hier setzen wir an.

Die wirksamsten Stellschrauben

1. Gewicht im Blick behalten

Übergewicht ist der zentrale Treiber der Insulinstörung – und damit der wichtigste vermeidbare Risikofaktor. Speckpolster am Mähnenkamm, eine breite Kruppe oder Fettdepots hinter den Schultern sind Warnzeichen. Lerne, den Körperzustand Deines Pferdes ehrlich einzuschätzen (Body Condition Score), und steuere früh gegen, bevor aus „etwas zu rund" ein echtes Problem wird. Abnehmen darf bei Pferden nie radikal geschehen – eine Hungerkur kann selbst gefährlich werden. Es geht um eine ruhige, kontrollierte Reduktion.

2. Zuckerarm füttern

Zucker und Stärke bringen den Insulinhaushalt durcheinander. Deshalb ist zuckerarmes Raufutter die Basis: Heu von magerem, spät geschnittenem Aufwuchs statt energiereiches Gras, kein Getreide und keine zuckrigen Leckerlis für gefährdete Pferde. Bei nachweislich zu zuckerreichem Heu kann Einweichen helfen, einen Teil des Zuckers auszuschwemmen. Wie viel Dein Pferd fressen darf und was tabu ist, liest Du im Detail unter Hufrehe-Fütterung.

3. Das Gras nicht unterschätzen

Weidebedingte Rehe ist tückisch, weil frisches Gras so harmlos aussieht. Tatsächlich schwankt sein Zuckergehalt stark – besonders hoch ist er im Frühjahr und Herbst und bei sonnigen, kühlen Tagen, an denen die Pflanze tagsüber Zucker bildet, ihn aber nachts in der Kälte nicht veratmet. Für gefährdete Pferde lohnt sich darum ein bewusstes Weidemanagement:

  • Weidezeiten in den Risikomonaten verkürzen oder ganz aussetzen.
  • Nicht auf abgefressene, gestresste Koppeln stellen – kurzes, gestresstes Gras kann besonders zuckerreich sein.
  • Das Anweiden im Frühjahr langsam und über Wochen aufbauen, nie abrupt.
  • Eine Fressbremse (Maulkorb) kann helfen, wirkt aber nur, wenn sie über die gesamte Weidezeit getragen wird. Wird sie nur stundenweise genutzt, holen sich viele Pferde die Menge danach einfach zurück.

4. Bewegung als tägliche Medizin

Regelmäßige, ruhige Bewegung verbessert die Insulinempfindlichkeit und hilft beim Gewicht – sie ist eine der natürlichsten Vorbeugungen überhaupt. Ein Offenstall mit Bewegungsanreizen ist hier oft besser als die Box mit kurzem Auslauf. Wichtig: Es geht um stetige Bewegung im Alltag, nicht um Höchstleistung. Ein bereits gefährdetes oder akut betroffenes Pferd wird natürlich nicht „gesund trainiert".

5. Hufe regelmäßig und korrekt bearbeiten lassen

Eine fachgerechte, anatomisch korrekte Hufbearbeitung in passenden Abständen hält die Hufe stabil und gut durchblutet. Sie verhindert keine stoffwechselbedingte Rehe – aber sie sorgt dafür, dass ein Huf widerstandsfähiger ist und dass beginnende Veränderungen früh auffallen. Genau dieses geschulte Hinsehen ist der Kern meiner Arbeit und meiner Ausbildung.

Risikopferde kennen

Manche Pferde tragen ein höheres Grundrisiko und brauchen mehr Aufmerksamkeit:

  • Ponys, Robustrassen und „leichtfuttrige" Pferde, die schon von wenig Futter zunehmen.
  • Ältere Pferde – mit den Jahren steigt das Risiko für Cushing/PPID.
  • Pferde, die schon einmal Rehe hatten – sie sind besonders gefährdet für einen erneuten Schub.

Wenn Dein Pferd zu dieser Gruppe gehört, lass den Stoffwechsel tierärztlich abklären. Ein Bluttest auf Insulin und die endokrinen Erkrankungen schafft Klarheit, lange bevor es im Huf wehtut – und macht aus „vorsichtshalber" eine gezielte Vorbeugung.

Früh erkennen ist auch Vorbeugung

Selbst die beste Prävention ist nicht hundertprozentig. Darum lohnt sich der geübte Blick für die ersten Anzeichen: ein klamm-trippelnder Gang, warme Hufe, ein deutlich tastbarer, pochender Puls an den Zehenarterien, die typische zurückgelehnte „Sägebock"-Haltung. Wer solche Signale früh bemerkt und sofort die Tierärztin oder den Tierarzt ruft, verschafft dem Pferd entscheidende Zeit. Mehr dazu unter Hufrehe erkennen.

Dein ruhiger Plan

Hufrehe vorzubeugen ist keine Hexerei, sondern Konsequenz im Alltag: das Gewicht halten, zuckerarm füttern, das Gras respektieren, für Bewegung sorgen und die Hufe in fachkundigen Händen wissen. Bei Risikopferden kommt die tierärztliche Stoffwechselkontrolle dazu. Das alles zusammen senkt das Risiko spürbar – und gibt Dir Sicherheit statt Sorge.

Wenn Du unsicher bist, ob Dein Pferd gefährdet ist, oder wie Du Fütterung, Haltung und Hufbearbeitung sinnvoll aufeinander abstimmst, schau Dir die Seite zu Hufrehe & schweren Hufkrankheiten an oder melde Dich gern bei mir. Gemeinsam finden wir den Weg, der zu Deinem Pferd passt – ehrlich und mit Augenmaß.

Sabine Thur

Über die Autorin

Sabine Thur

Hufexpertin & Fütterungsexpertin, Institut für ganzheitliche Pferdegesundheit. Seit 2012 auf den Bewegungsapparat des Pferdes spezialisiert – mit Schwerpunkt auf Hufrehe und schweren Hufkrankheiten.

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