Anatomisch korrekt bearbeiteter Pferdehuf nach erfolgreicher Hufrehe-Behandlung

Hufrehe

Hufrehe erkennen: die frühen Anzeichen richtig deuten

Hufrehe früh zu erkennen entscheidet über den Verlauf. Welche Anzeichen Du am Pferd siehst, was sie bedeuten und welche Schritte jetzt zählen – aus der Praxis von Sabine Thur.

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20. Juni 20263 Min. Lesezeitvon Sabine Thur

Hufrehe (Laminitis) ist einer der schmerzhaftesten Notfälle, die ein Pferd treffen können – und einer der wenigen, bei denen die ersten Stunden über den weiteren Verlauf entscheiden. Je früher Du die Anzeichen deutest und handelst, desto besser stehen die Chancen, dass der Huf sich wieder vollständig erholt. Dieser Ratgeber zeigt Dir, worauf Du achten solltest.

Wichtig vorweg: Hufrehe ist ein tiermedizinischer Notfall. Wenn Du den Verdacht hast, dass Dein Pferd betroffen ist, rufe sofort Deine Tierärztin oder Deinen Tierarzt an. Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Untersuchung – er hilft Dir, die Anzeichen früher zu erkennen.

Was bei Hufrehe im Huf passiert

Im Inneren des Hufes verbindet die sogenannte Huflederhaut das Hufbein fest mit der Hufkapsel – über tausende ineinandergreifende Lamellen. Bei einer Hufrehe entzündet sich genau diese Verbindung. Die Lamellen lockern sich, die Aufhängung des Hufbeins wird instabil. Im schweren Fall kann sich das Hufbein absenken oder rotieren.

Diese Entzündung tut extrem weh – und genau deshalb zeigt ein Pferd sehr deutlich, dass etwas nicht stimmt. Man muss die Signale nur richtig lesen.

Die frühen Anzeichen einer Hufrehe

Achte besonders auf diese Veränderungen – oft treten mehrere gemeinsam auf:

  • Klammer, vorsichtiger Gang, vor allem auf hartem oder unebenem Boden. Das Pferd „läuft wie auf Eiern".
  • Verlagern des Gewichts nach hinten. Bei Rehe an den Vorderhufen schiebt das Pferd die Vorderbeine nach vorn und stellt sich auf die Hinterhand – die typische „Sägebock-Stellung".
  • Vermehrte Pulsation an den Mittelfußarterien (fühlbar seitlich über der Fessel) und auffällig warme Hufe.
  • Häufiges Umtreten und Trippeln, weil das Stehen auf den schmerzenden Hufen unangenehm ist.
  • Widerwille beim Wenden und beim Anheben eines Beins – das Belasten des anderen Hufes schmerzt.
  • Trachtenfußung: Das Pferd setzt zuerst die Trachte (hinterer Hufbereich) auf, um die schmerzende Zehenspitze zu entlasten.

Auch ein plötzlicher Leistungsabfall, vermehrtes Liegen oder Unwille zur Bewegung können Frühzeichen sein – gerade in Kombination mit einem der oben genannten Punkte.

Akute und chronische Hufrehe

Bei der akuten Hufrehe treten die Symptome plötzlich und heftig auf. Hier zählt jede Stunde. Bleibt die Entzündung unbehandelt oder kehrt sie wieder, kann sie in eine chronische Form übergehen: Das Hufbein hat seine Lage verändert, und am Huf zeigen sich Spätfolgen wie Reheringe (wellige Ringe in der Hufwand), eine gedehnte weiße Linie oder eine veränderte Hufform.

Die gute Nachricht: Auch chronische Rehehufe lassen sich durch konsequente, anatomisch korrekte Bearbeitung über die Zeit deutlich verbessern. Entscheidend ist, die Ursache zu finden und abzustellen – nicht nur die Symptome zu behandeln.

Was Du jetzt tun solltest

  1. Tierärztin oder Tierarzt rufen. Sofort, nicht abwarten. Hufrehe ist ein Notfall.
  2. Bewegung einstellen. Stelle das Pferd auf weichen Boden (tiefe Einstreu, Sand) und zwinge es nicht zum Laufen.
  3. Auslöser entfernen. Häufig steckt eine Futterursache dahinter – etwa zu viel frisches, zuckerreiches Gras oder Kraftfutter. Nimm den Zugang zur Weide vorerst weg.
  4. Ruhe bewahren und beobachten. Notiere, wann die Symptome begonnen haben und was vorausging – das hilft bei der Ursachensuche enorm.

Ursachen erkennen statt nur behandeln

Hufrehe hat fast immer eine Ursache, die im Stoffwechsel oder in der Haltung liegt: ein gestörter Zuckerstoffwechsel (EMS), eine Cushing-Erkrankung (PPID), eine Überlastung durch Futter, eine Vergiftung oder eine einseitige Belastung. Wer nur den Huf bearbeitet, ohne diese Wurzel zu verstehen, behandelt gegen ein Symptom an.

Genau hier setzt meine Arbeit an: Den Huf anatomisch korrekt zu bearbeiten und gemeinsam mit Dir herauszufinden, warum die Rehe entstanden ist – damit sie nicht wiederkehrt. Mehr über diesen Ansatz und über behandelte Fälle findest Du auf der Seite Hufrehe & schwere Hufkrankheiten.

Wenn Du unsicher bist oder eine zweite Einschätzung für einen Rehehuf brauchst, melde Dich gern bei mir. Je früher wir gemeinsam draufschauen, desto mehr lässt sich für Dein Pferd erreichen.

Sabine Thur

Über die Autorin

Sabine Thur

Hufexpertin & Fütterungsexpertin, Institut für ganzheitliche Pferdegesundheit. Seit 2012 auf den Bewegungsapparat des Pferdes spezialisiert – mit Schwerpunkt auf Hufrehe und schweren Hufkrankheiten.

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