Pferd frisst Heu auf einer sonnigen Koppel

Hufrehe

Hufrehe-Fütterung: Was Dein Pferd fressen darf – und was nicht

Bei Hufrehe entscheidet das Futter über den Verlauf. Welches Heu, wie viel, warum Einweichen hilft und was tabu ist – verständlich erklärt von Sabine Thur.

Alle Ratgeber-Artikel
20. Juni 20263 Min. Lesezeitvon Sabine Thur

Bei Hufrehe ist das Futter kein Nebenschauplatz – es ist bei der häufigsten Form sogar die eigentliche Ursache und zugleich der wichtigste Hebel zur Besserung. Denn diese Rehe entsteht über den Stoffwechsel: zu viel Zucker und Stärke bringen den Insulinhaushalt durcheinander, und das trifft die empfindliche Huflederhaut. Wer hier umstellt, nimmt dem nächsten Schub die Grundlage.

Wichtig: Eine akute Hufrehe gehört immer in tierärztliche Hand. Die folgenden Grundsätze ersetzen keine individuelle Beratung – jedes Pferd ist anders. Lass die Ursache (häufig EMS oder Cushing) unbedingt abklären, denn danach richtet sich die Fütterung.

Warum Zucker und Stärke das Problem sind

Getreide, Müsli und große Mengen Weidegras liefern viel Zucker und Stärke. Die treiben den Blutzucker hoch, der Körper schüttet Insulin aus – und genau ein hoher, dauerhaft entgleister Insulinspiegel gilt heute als zentraler Auslöser der stoffwechselbedingten Hufrehe. Bei Pferden mit EMS (Equines Metabolisches Syndrom) oder einer Insulinresistenz ist dieser Mechanismus besonders heikel. Die Konsequenz ist einfach: So wenig Zucker und Stärke wie möglich.

Die Basis: viel gutes, zuckerarmes Heu

Das Fundament jeder Rehe-Fütterung ist hochwertiges Raufutter. Kraftfutter braucht ein Rehepferd in aller Regel nicht. Entscheidend ist die Heuqualität: Heu mit einem kombinierten Zucker- und Fruktangehalt unter 10 % gilt als sicher für rehegefährdete Pferde. Wie hoch der Wert tatsächlich liegt, verrät nur eine Heuanalyse – sie ist die beste Investition, die Du machen kannst, weil Du danach nicht mehr raten musst.

Heu einweichen – wann es sinnvoll ist

Ist das Heu zu zuckerreich oder keine Analyse zur Hand, hilft Wässern: 30 bis 60 Minuten einweichen schwemmt einen Teil des Zuckers aus. Wechsle das Wasser danach und verfüttere das nasse Heu zeitnah. Zwei Dinge solltest Du wissen: Das Einweichen spült auch Mineralstoffe mit heraus (siehe unten), und im warmen Wetter verkeimt nasses Heu schnell – dann lieber kürzer wässern und mehrmals täglich frisch anbieten.

Wie viel Heu – und warum keine Radikaldiät

Als Orientierung gelten rund 1,5 kg Heu je 100 kg Idealgewicht pro Tag. „Idealgewicht" ist hier das Stichwort: Bei Übergewicht rechnest Du nicht mit dem Ist-, sondern mit dem Zielgewicht. Aber bitte keine Hungerkur – eine zu radikale Diät kann beim Pferd eine lebensgefährliche Fettstoffwechselentgleisung auslösen. Gewicht runter ja, aber langsam und stetig. Engmaschige Heunetze sind dabei Gold wert: Sie strecken die Fresszeit, halten das Pferd beschäftigt und verhindern lange Hungerphasen.

Was tabu ist

  • Getreide und Müsli (Hafer, Gerste, Mais) – die größten Stärkelieferanten.
  • Brot, Leckerli mit Zucker/Melasse, große Mengen Obst und Möhren.
  • Unkontrollierter Weidegang – dazu gleich mehr.
  • Jede abrupte Futterumstellung. Änderungen immer über Tage einschleichen.

Weide: die unterschätzte Zuckerfalle

Frisches Gras kann enorm viel Fruktan enthalten – und die Mengen schwanken stark. Besonders hoch sind sie an sonnigen, kalten Tagen, bei Nachtfrost und in den Morgenstunden, wenn das Gras über Nacht Zucker eingelagert hat. Für ein rehegefährdetes Pferd heißt das: langsam anweiden, eine Fressbremse nutzen oder eine abgesteckte Magerfläche anbieten, und eher am späten Abend grasen lassen als früh am Morgen. Im akuten Schub gehört das Pferd ganz von der Weide.

Mineralien nicht vergessen

Zuckerarmes Heu – und erst recht eingeweichtes Heu – deckt den Mineral- und Spurenelementbedarf oft nicht. Ein Mangel verzögert die Heilung unnötig. Gib Deinem Pferd deshalb ein gutes, zuckerfreies Mineralfutter dazu. So sparst Du beim Zucker, ohne bei den Nährstoffen zu sparen.

Die Ursache finden – Futter und Huf gehören zusammen

Die richtige Fütterung nimmt der Rehe den Treibstoff – aber sie ist nur die eine Hälfte. Die andere ist der Huf selbst: Ein durch die Rehe veränderter Huf muss anatomisch korrekt bearbeitet werden, damit er sich wieder erholen kann. In meiner Arbeit schaue ich deshalb immer auf beides zusammen und gemeinsam mit Dir auf die mögliche Grunderkrankung. Mehr dazu auf der Seite Hufrehe & schwere Hufkrankheiten.

Du bist unsicher, wie Du Dein Pferd richtig fütterst, oder möchtest die Fütterung und den Rehehuf gemeinsam durchgehen? Schreib mir oder ruf an – ich begleite Dich gern.

Sabine Thur

Über die Autorin

Sabine Thur

Hufexpertin & Fütterungsexpertin, Institut für ganzheitliche Pferdegesundheit. Seit 2012 auf den Bewegungsapparat des Pferdes spezialisiert – mit Schwerpunkt auf Hufrehe und schweren Hufkrankheiten.

Unsicher bei Deinem Pferd?

Schildere mir Deine Situation – ich schaue gern gemeinsam mit Dir, woran es liegt und was Deinem Pferd jetzt hilft.

WhatsApp schreibenJetzt anrufen