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Hufbearbeitung

Hufgeschwür beim Pferd: erkennen, abgrenzen von Hufrehe, richtig handeln

Plötzlich hochgradig lahm – Hufgeschwür oder Hufrehe? Wie Du beides unterscheidest, was den Abszess auslöst und welche Schritte jetzt zählen, erklärt Sabine Thur.

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26. Juni 20265 Min. Lesezeitvon Sabine Thur

Eben war noch alles gut, und plötzlich setzt Dein Pferd ein Bein kaum noch auf – hochgradig lahm, von jetzt auf gleich. Für viele ist der erste Gedanke: Hufrehe. Doch in den allermeisten Fällen steckt etwas anderes dahinter, das deutlich harmloser ist: ein Hufgeschwür. Dieser Ratgeber hilft Dir, die Anzeichen zu deuten, das Hufgeschwür von einer Hufrehe abzugrenzen und in der akuten Situation ruhig und richtig zu handeln.

Wichtig vorweg: Eine plötzliche, starke Lahmheit gehört in tierärztliche Hand. Nur Deine Tierärztin oder Dein Tierarzt kann sicher zwischen Hufgeschwür, Hufrehe und anderen Ursachen (etwa einem Knochen- oder Sehnenproblem) unterscheiden. Dieser Text ersetzt keine Untersuchung – er hilft Dir, die Lage einzuordnen und keine Zeit zu verlieren.

Was ein Hufgeschwür ist

Ein Hufgeschwür – fachlich auch Hufabszess genannt – ist eine eitrige Entzündung der Huflederhaut. Bakterien dringen in den Huf ein, vermehren sich, und es bildet sich Eiter. Weil das Hufhorn fest und unnachgiebig ist, kann dieser Eiter nicht entweichen. Es entsteht ein enormer Druck im Inneren des Hufs – und genau dieser Druck verursacht den heftigen, plötzlichen Schmerz.

Das ist der entscheidende Unterschied zur Hufrehe: Das Hufgeschwür ist eine bakterielle (septische) Entzündung mit Eiter, die Hufrehe dagegen eine aseptische Entzündung ohne Erreger, ausgelöst von innen über Stoffwechsel, Fütterung oder hormonelle Faktoren.

Wie ein Hufgeschwür entsteht

Damit Bakterien in den Huf gelangen, braucht es meist eine Eintrittspforte oder eine geschwächte Hornqualität. Häufige Auslöser sind:

  • Steinprellungen und Fremdkörper – ein Stein, ein eingetretener Nagel, ein harter Stoß an einer Kante.
  • Defekte in der weißen Linie, Hornspalten und eine ausgefranste, „hohle" Wand, durch die Schmutz und Keime nach innen wandern.
  • Nasser, matschiger Boden im Wechsel mit Trockenheit – das weicht das Horn auf und macht es durchlässig.
  • Mangelnde oder unregelmäßige Hufpflege sowie Huffehlstellungen, die Hornqualität und Belastung verschlechtern.
  • Brüchiges, sprödes Horn, oft als Folge von Haltung, Fütterung oder Stoffwechsel.

Hier zeigt sich, warum ein gesunder, gut bearbeiteter Huf der beste Schutz ist: Eine geschlossene weiße Linie und festes, gut durchblutetes Horn lassen Keimen kaum eine Chance.

Die typischen Anzeichen

Ein Hufgeschwür meldet sich meist sehr deutlich:

  • Plötzliche, oft hochgradige Lahmheit – nicht selten will das Pferd den Huf gar nicht mehr aufsetzen.
  • Wärme im betroffenen Huf, häufig deutlich spürbar im Vergleich zum anderen Bein.
  • Verstärkte Pulsation der Zehenarterie, tastbar seitlich über der Fessel.
  • Punktueller Schmerz: Beim Abtasten mit der Hufzange zuckt das Pferd genau an einer Stelle zusammen – dort sitzt der Eiterherd.
  • Manchmal eine Schwellung an Fessel oder Bein, in fortgeschrittenen Fällen auch Fieber und nachlassender Appetit.

Oft bricht der Abszess nach einigen Tagen von selbst auf – am Kronrand oder im Bereich der weißen Linie. Sobald der Eiter abfließt, lässt der Druck schlagartig nach, und das Pferd wird rasch wieder deutlich besser.

Hufgeschwür oder Hufrehe? So ordnest Du es ein

Beides beginnt mit Lahmheit, warmem Huf und Pulsation – deshalb die Verwechslung. Diese Punkte helfen Dir, ein Gefühl zu bekommen (eine sichere Diagnose stellt nur der Tierarzt):

  • Wie viele Hufe? Ein Hufgeschwür betrifft fast immer einen Huf. Eine Hufrehe trifft meist beide Vorderhufe gleichzeitig.
  • Die Haltung. Bei Rehe verlagert das Pferd das Gewicht typisch nach hinten („Sägebock-Stellung") und entlastet beide Vorderzehen. Beim Geschwür wird gezielt das eine schmerzende Bein geschont.
  • Wo sitzt der Schmerz? Beim Geschwür reagiert das Pferd auf die Hufzange an einem Punkt. Bei Rehe schmerzt eher der gesamte vordere Hufbereich beidseits.
  • Die Vorgeschichte. Üppiges Gras, Kraftfutter, EMS oder Cushing sprechen für Rehe; nasser Boden, eine Steinprellung oder schlechte Hornqualität eher für ein Geschwür.

Wie Du eine Hufrehe an ihren Frühzeichen erkennst, liest Du im Ratgeber Hufrehe erkennen. Bleibt es bei einem Geschwür unklar oder kehrt es immer wieder, lohnt der Blick auf den ganzen Huf – manchmal ist ein wiederkehrender Abszess ein Hinweis auf eine tieferliegende Hufproblematik.

Was Du jetzt tun solltest

  1. Tierärztin oder Tierarzt verständigen – gerade weil Du eine Hufrehe nicht ausschließen kannst, ist die fachliche Einordnung wichtig.
  2. Weichen Boden anbieten. Stelle Dein Pferd auf tiefe Einstreu oder feuchten Sand und schone das Bein – kein Reiten, kein Longieren.
  3. Den Huf nicht selbst aufschneiden. Das Öffnen des Eiterherds gehört in geübte Hände von Tierarzt oder Hufexperte, sonst drohen falsche Schnitte und neue Eintrittspforten.
  4. Reifung unterstützen, wie besprochen. Häufig empfiehlt der Tierarzt einen warmen Angussverband oder einen Hufverband, um das Horn aufzuweichen und den Druck zu lösen. Sprich Salben und Verbände immer vorher ab.
  5. Sauber und trocken halten. Ein verschmutzter, offener Abszess kann sich wieder infizieren – ein sauberer Verband oder Krankenschuh schützt.

Verlauf und Heilung

Die Prognose für ein Hufgeschwür ist in aller Regel gut. Sobald der Eiter abfließt, geht es dem Pferd oft binnen Stunden spürbar besser. Wie lange die vollständige Ausheilung dauert, hängt von der Tiefe ab: Kleine Geschwüre sind in wenigen Tagen erledigt, größere brauchen einige Wochen. Reicht der Abszess tief und ist Knochen oder eine empfindliche Struktur beteiligt, kann es länger dauern und tierärztlich engmaschig begleitet werden.

Bleibt ein Hufgeschwür dagegen unbehandelt, kann sich die Infektion ausbreiten und tiefere Strukturen schädigen – ein Grund mehr, früh hinzuschauen und nicht abzuwarten.

Vorbeugen heißt: den Huf gesund halten

Den besten Schutz vor Hufgeschwüren bietet kein Mittel, sondern ein gesunder Huf: regelmäßige, anatomisch korrekte Bearbeitung, eine geschlossene weiße Linie, festes Horn und eine Haltung, die nicht dauerhaft in Nässe und Matsch führt. Wer Fehlstellungen und Hornschwächen früh angeht, nimmt den Keimen die Eintrittspforte – und beugt damit nicht nur Abszessen, sondern auch anderen Hufproblemen vor.

Genau hier liegt mein Schwerpunkt: den Huf so zu bearbeiten, dass er stabil, gut durchblutet und widerstandsfähig wird. Mehr über diese Arbeit – gerade bei schwierigen und kranken Hufen – findest Du auf der Seite Hufrehe & schwere Hufkrankheiten.

Wenn Dein Pferd immer wieder zu Hufgeschwüren neigt oder Du unsicher bist, was hinter der Hornschwäche steckt, melde Dich gern bei mir. Gemeinsam schauen wir, wie Dein Pferd zu einem gesunden, belastbaren Huf kommt.

Sabine Thur

Über die Autorin

Sabine Thur

Hufexpertin & Fütterungsexpertin, Institut für ganzheitliche Pferdegesundheit. Seit 2012 auf den Bewegungsapparat des Pferdes spezialisiert – mit Schwerpunkt auf Hufrehe und schweren Hufkrankheiten.

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