Pferd steht ruhig auf weicher, tiefer Einstreu in einer hellen Box

Hufrehe

Hufrehe: Wie Hufschuhe, Polster und weicher Boden den Huf entlasten

Bei Hufrehe braucht das Hufbein Halt von unten. Wie Polster, Hufschuhe und weiche Einstreu entlasten – und worauf es dabei wirklich ankommt. Von Sabine Thur.

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25. Juni 20264 Min. Lesezeitvon Sabine Thur

Bei Hufrehe lösen sich die feinen Verbindungen zwischen Hufbein und Hufwand – die Aufhängung, die das Hufbein an seinem Platz hält. Wird sie schwächer, drückt das Körpergewicht das Hufbein nach unten. Genau hier setzt die mechanische Entlastung an: Sie gibt dem Hufbein von unten Halt, nimmt der Zugspitze die Last und verschafft Deinem Pferd spürbar Erleichterung, während der Huf zur Ruhe kommt.

Wichtig: Eine akute Hufrehe ist ein Notfall und gehört sofort in tierärztliche Hand. Polster, Hufschuhe und Einstreu sind unterstützende Maßnahmen – sie ersetzen weder die tierärztliche Behandlung noch die fachgerechte Hufbearbeitung. Was im Einzelfall richtig ist, hängt vom Röntgenbild und vom Zustand des Hufes ab. Probiere nichts auf eigene Faust, ohne Deine Tierärztin oder Deinen Tierarzt einzubeziehen.

Warum Entlastung von unten so wichtig ist

Ein gesunder Huf trägt sein Gewicht vor allem über die Hufwand. Bei der Rehe ist genau diese Verbindung geschwächt – und der Zug der tiefen Beugesehne kann das Hufbein zusätzlich nach vorn und unten kippen. Das Ziel ist deshalb, die Last weg von der schmerzhaften Zehe und hin auf die hinteren, tragfähigen Bereiche des Hufes zu verteilen: auf Strahl, Sohle und Trachten.

Wird die Last über eine möglichst große Fläche verteilt, statt sich an einer Stelle zu konzentrieren, stabilisiert das das Hufbein und bremst ein weiteres Absinken. Eine punktuelle Belastung – etwa nur im Zehenbereich – wirkt dagegen wie ein Hebel und kann den Schaden vergrößern.

Polster: die Sohle bekommt Halt

Das verbreitetste Hilfsmittel sind weiche Polster, die unter den Huf kommen. Wichtig ist, dass sie die ganze Sohlenfläche tragen – nicht nur den Strahl. Reine Strahlpolster lassen den vorderen Teil der Sohle frei, und genau dort kann das Hufbein dann sozusagen „ins Leere" sinken. Eine flächige Abstützung der gesamten Sohle gilt heute als die sicherere Variante.

Als Material eignen sich weiche, anpassungsfähige Schäume oder Abdruckmassen, die sich der Sohle anschmiegen und den Druck gleichmäßig aufnehmen. Ob und wie stark zusätzlich die Trachten unterstützt werden, ist eine fachliche Entscheidung im Einzelfall – sie hängt davon ab, wie das Hufbein im Röntgen steht. Pauschale „Keil-Lösungen" können helfen, aber genauso schaden, wenn sie nicht zum konkreten Huf passen.

Hufschuhe: mobiler Schutz mit Dämpfung

Hufschuhe mit gepolsterter Einlage sind eine praktische Möglichkeit, das Polster sicher unter dem Huf zu halten – gerade, wenn ein fester Beschlag in der akuten Phase ungünstig wäre. Sie dämpfen jeden Schritt, schützen eine dünne Sohle und lassen sich abnehmen, kontrollieren und neu anpassen.

Besonders wertvoll sind sie, sobald wieder vorsichtige, kontrollierte Bewegung erlaubt ist: Auf hartem Boden geben sie der empfindlichen Sohle die nötige Dämpfung. Ein Hinweis aus der Praxis: Achte auf die Sohlendicke. Eine sehr dünne Sohle braucht Schutz, bis sie wieder kräftiger geworden ist – das ist Millimeterarbeit und gehört in fachkundige Hände.

Weicher Boden: die einfachste Entlastung

Die wirkungsvollste und zugleich einfachste Maßnahme kostet fast nichts: tiefe, weiche Einstreu. Ein dickes Bett aus Spänen oder Stroh, in das der Huf einsinken kann, stützt die Sohle über die volle Fläche und nimmt der Zehe Last ab – ganz von selbst, rund um die Uhr. Sand oder feiner Boden wirken ähnlich.

In der akuten Phase ordnet die Tierärztin meist Boxenruhe auf weichem Untergrund an. Das ist kein Widerspruch zu Sabines Überzeugung, dass Bewegung langfristig Medizin ist: Im akuten Schub steht die Stabilisierung an erster Stelle, und das geschädigte Hufbein darf nicht durch unkontrollierte Bewegung weiter belastet werden. Wann der Weg zurück in die Bewegung beginnt, entscheidet der Heilungsverlauf – Schritt für Schritt.

Entlastung und Hufbearbeitung gehören zusammen

So sehr Polster und Schuhe helfen – sie sind nur die halbe Miete. Die andere Hälfte ist der Huf selbst. Ein durch die Rehe veränderter Huf muss anatomisch korrekt bearbeitet werden: Die Zehe wird so gestaltet, dass der Hebel kleiner wird und der Abrollpunkt zurückkommt; die Trachten werden behutsam und über mehrere Termine in eine bessere Stellung gebracht. Erst dann arbeiten Entlastung und Bearbeitung in dieselbe Richtung.

Genau dafür schauen die Tierärztin und ich gemeinsam aufs Röntgenbild: Sie behandelt und gibt den medizinischen Rahmen vor, ich setze die Hufbearbeitung anatomisch korrekt um. Die passende Abstützung von unten und ein sauber bearbeiteter Huf greifen ineinander – das ist der Kern der Reha. Mehr dazu liest Du auf der Seite Hufrehe & schwere Hufkrankheiten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Last verteilen, nicht punktuell belasten – flächig über die Sohle, weg von der Zehe.
  • Polster die ganze Sohle tragen lassen, nicht nur den Strahl.
  • Hufschuhe sind ein guter, abnehmbarer Schutz – vor allem für kontrollierte Bewegung auf hartem Boden.
  • Tiefe, weiche Einstreu ist die einfachste und eine sehr wirksame Entlastung.
  • Nie ohne Tierarzt und Huffachmann – was richtig ist, zeigt das Röntgenbild.

Dein Pferd hat Hufrehe und Du möchtest die Entlastung und die Hufbearbeitung fachkundig begleiten lassen? Schreib mir oder ruf an – ich gehe den Weg gern gemeinsam mit Dir und Deiner Tierärztin.

Sabine Thur

Über die Autorin

Sabine Thur

Hufexpertin & Fütterungsexpertin, Institut für ganzheitliche Pferdegesundheit. Seit 2012 auf den Bewegungsapparat des Pferdes spezialisiert – mit Schwerpunkt auf Hufrehe und schweren Hufkrankheiten.

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